Charlotte Steiger

von Hannah Moraw

Ich blicke in ein Fenster. Hinter der Glasscheibe blickt Charlotte zurück.

Sie scheint in Gedanken vertieft zu sein. Schwierig zu sagen, worauf ihr Blick fällt, doch ich versuche ihm zu folgen. Dort steht, stand, könnte ein Baum stehen. Auf der Leinwand erahne ich noch, was Blüten sein könnten. Charlottes Arbeiten sind Reflexionen – von Geschehenem, der Erinnerung, dem Erinnern, dem Gefühl, dem Prozess selbst. Das Schreiben ist dabei der erste Impuls. Intuitiv, aber nachdenklich wird Schicht für Schicht zusammengetragen, bis eine Erzählstimme bleibt. Dann, plötzlich, sitzt diese ganz konkret vor mir, gespreizte Beine auf einem Sofa, Kaugummizigarette kauend, fegt durch den Gang, Schnäuzer über den Lippen. Auch das, eine Schicht. Ein Schritt zurück vor der eigenen Arbeit, die Stirn von der kalten Scheibe lösen und das Ganze, die eigene Position in der Welt beäugen, mit einem Modus zwischen Witz, Zynismus und der Nähe, die trotz jeder Schicht immer spürbar bleibt. Dazwischen: ein Ort, an dem die Zeit ganz langsam vergeht, sich beinahe im Kreis zu drehen scheint, an dem wir gemeinsam sind.

Ich blicke in ein Fenster. Im Glas spiegelt sich mein Gesicht.