Jacob Jürgens

von Kip Fiene

 

„Und Goethe war komisch denn

Der Teufel war der Gute

Und die Gute eine Hure

Ich hab‘ Mitleid mit Mersault

Und mit mir selber“

Jacob Jürgens betritt das Atelier voller Selbstverständlichkeit. Es gibt Ölfarbe und Leinwände. Gestalten erscheinen in Rot und Blau, sie sind Heilige, Eltern, Selbstporträts und alles dazwischen. Ein Faible für tote Sprachen („Juhu, mein hebräisch Lehrbuch ist endlich da!“) eröffnet Blicke in verschiedenste Mythologien und Theologie. Du weißt mal wieder nicht was diese Referenz auf dem Bild da bedeutet. Kein Ding, Jacob erklärt es dir. Jacob Jürgens betritt das Atelier voller Selbstverständlichkeit. Es gibt Holz und Stoff und Garn. Stickereien ergänzen Leinwände, Stickereien werden Leinwände. Warum auch nicht, nur wenige von Jacobs Kleiderstücken sind nicht bestickt, gepatched, bemalt. Seine Arbeiten scheinen sich in diesen Selbstentwurf einzureihen.

Jacob Jürgens betritt das Atelier voller Selbstverständlichkeit. Es gibt eine Kamera und eine Kissenhöhle und eine Tattoomaschine . Griechisches Name-Dropping weicht einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und zugeschriebenen Genderrrollen. How does a vampire see himself in the mirror?

Jacob Jürgens betritt das Atelier voller Selbstverständlichkeit. Es gibt Texte und Stimmen und eine Taufe. Die Wörter sind zart und flüstern dir etwas aus Jacobs Leben in dein Ohr. Literaturliebe und Erfahrungen verschmelzen und du denkst du wärst dabeigewesen, bei dem Streit mit den Eltern, beim Verlieben, beim alleine trinken.